Ich bewege, weil ich mich bewege

 

Was bedeutet es, mit einer Behinderung zu leben? Diese Frage stellt sich mir persönlich eigentlich kaum mehr, denn ich habe mich mit meinem Handicap und seinen daraus resultierenden Besonderheiten in meinem Alltag bestens arrangiert. Für viele, die mich nicht so gut kennen, bleibt aber immer wieder vieles im Zusammenhang mit dem, wie das so in meinem täglichen Ablauf aussieht, unklar.

 

Kein Tag ist bei mir wie jeder andere. So lässt sich in Kurzform wohl treffend beschreiben, wie mein Leben aus wenig Routine, dafür aber aus einer interessanten Vielseitigkeit besteht. Wenn ich deshalb in einem Punkt besonders gefordert bin, dann ist es im Organisieren aller meiner Aktivitäten. Wann brauche ich Assistenz? Wie komme ich zum Bahnhof? Wer fährt mich zur nächsten Sitzung? Es sind jeweils viele Fragen, die ich rechtzeitig und klar zu regeln habe. Dabei kann ich auf ein Netz von Menschen zählen. Sie unterstützen mich so, dass ich meinen Beruf ausüben, mich politisch betätigen und mich auch gesellschaftlich breit engagieren kann.

 

Möglichst offen - wie es meiner Art entspricht - will ich hier einige Punkte gleich sehr direkt anzusprechen. Mit meiner Behinderung werde ich immer in verschiedenen Situationen auf Assistenz angewiesen sein. Da mache ich mir trotz meiner relativen Selbstständigkeit nie etwas vor. Diese Unterstützung lässt sich jedoch, und das zeigt mir das bisherige Leben, sehr gut organisieren. Ich gehe offen auf meine Mitmenschen zu und melde meine Bedürfnisse klar an. So ist es mir möglich, selbstständig mit der Bahn oder dem Flugzeug zu reisen, Sitzungen in der ganzen Schweiz aber auch im Ausland ohne weitere Probleme zu besuchen. Für mich ist es immer wieder eine positive Erfahrung, zu zeigen, wie ich mit gesundem eigenem Willen sehr wohl auch mobil bin.Durchaus mit stolz behaupte ich deshalb von mir, dass ich bewege, weil ich mich bewege.

 

Durch vermeintliche Hindernisse lasse ich mich nicht aufhalten. Mein Leben, das durch die Contergan-Behinderung eine besondere Prägung erfahren hat, trägt eine Handschrift, die nicht normal, sondern anders ist. Doch genau das ist der entscheidende Punkt: für mich ist es die Normalität, beispielsweise mit dem Fuss zu schreiben und damit gar nicht anders zu sein. Unsere Gesellschaft weiter gezielt dafür zu sensibilisieren, dass wir alles Menschen mit unseren Besonderheiten und Fähigkeiten sind, darin sehe ich eine spannende und herausforderungsreiche Lebensaufgabe.

 

Hier gehts zum Video "Einblicke in mein Leben"